Wann Wein als gefälscht gilt. – Urt. des OLG Köln v.25.6.2020 – AZ. 28 U 53/19

Weine dienen nicht nur dem Genuß, sondern auch der Geldanlage. Insofern kommt es immer öfters vor, dass Weinfälschungen in den Handel gelangen.

Mit einem solchen Fall hatte sich nun das OLG Köln beschäftigt. In dem entsprechenden Verfahren hatte eine bayerische Firma, welche mit Weinen handelt, von einer anderen Händlerin 36 Flaschen für ca. 300.000,00 € erworben. Die Flaschen wurden dann an einen Händler in Singapur verkauft.

Nachdem 2013 Gerüchte über Fälschungen aufkamen, hatte der Händler aus Singapur zurückgesandt. Nun forderte der bayerische Weinhändler von der Kölner Händlerin Rückzahlung des Kaufpreises. In 1. Instanz wurde die Händlerin im Wesentlichen zur Rückzahlung Zug-um-Zug verurteilt, das Berufungsgericht hat dies bestätigt.

Ausweislich der Materialanalyse seien nur 2 der 34 Etiketten echt. Dass dies Flaschen ausgetauscht worden wären, sei nicht der Fall.

Interessanterweise wurde der Inhalt, das eigentliche Wesentliche, anscheinend nicht geprüft. Insofern kann auch eine Weinfälschung dann wohl angenommen werden, wenn nur das Etikett Fehler aufweist.

Das Urteil ist noch nicht im Volltext verfügbar.

Urteil des Oberlandesgerichts Köln vom 25.06.2020 – 28 U 53/19

Quelle: https://www.justiz.nrw.de/JM/Presse/presse_weitere/PresseOLGs/02_07_2020_/index.php

Zur Frage, wann ein Brilliant ein „Brilli“ ist. – Urt. des AG München – AZ: 275 C 6717/19

Das Amtsgericht München hat in einem Urteil vom 02.08.2019 festgestellt, dass ein Brilliantschliff mindestens 57 Facetten benötigt, um so genannt zu werden. Liegt dies nicht vor, berechtigt dies zur Rückabwicklung des Kaufvertrages im Rahmen der Mängelgewährleistung. Daher sei n „Single-Cut“ nicht als minderwertigerer Brilliantschliff zu kategorisieren, sondern ein Mangel.

Dass der Käufer die Diamanten vorher gesehen hat, und das Aussehen kannte, ändert nichts an dem Umstand, dass er bei dem Erwerb des  gebrauchten Gelbgoldrings mit der Beschreibung „750 Karat Gold, ein Saphir, 31 Brillanten, 0,80 feines Weiß, 9224“ für 650,00 € als Geschenk für seine Ehefrau davon ausgehen durfte, dass es Diamanten im Briliantschliff seien. Dies wurde auch auf seinen Wunsch im Schmuckpasszertifikat festgehalten.

So stellte laut Pressemitteilung der Justiz Bayern das AG München fest, dass es sich bei den als Brillanten bezeichneten Steinen es sich tatsächlich um Diamanten mit Single-Cut-Schliff gehandelt hat. Ein Single-Cut-Schliff sei aber ein weniger aufwändiger, minderwertigerer Schliff als ein Brillantschliff. Ein Brillant hat – anders als ein Diamant im Single-Cut-Schliff- mindestens 57 Facetten.

Ein Vergleich scheiterte an dem Umstand, dass der Kläger aus dem Münchner Raum komme, und da sage man gerne etwas wie „Geh Schatz, tu Deine Brilli hin“. Das gehe jetzt aber mit dem fraglichen Ring nicht mehr, weil er und seine Frau dabei nun ein schlechtes Gefühl hätten.

Urteil des Amtsgerichts München vom 02.08.2019, Aktenzeichen 275 C 6717/19

Quelle: https://www.justiz.bayern.de/gerichte-und-behoerden/amtsgerichte/muenchen/presse/2019/67.php

Auktionsrecht

Am Kunstmarkt ist die wirtschaftliche Stellung von Auktionhäusern herausragend hoch und wird zukünftig weiter steigen. Dabei erfuhr das Auktionsrecht in den vergangenen Jahren wesentliche Änderungen. Höchstrichterliche Rechtsprechung wird auch weiterhin gefragt sein. Haftungsfragen spielen hierbei eine gleichsam bedeutende wie verstrickte Rolle. So wurden nicht nur durch den Fall der Sammlung Jägers die Sorgfaltsanforderungen an ein Auktionshaus erhöht, sondern es stellt sich nun auch die Frage der arglistigen Täuschung, der sich ein Auktionshaus ausgesetzt sieht, handelt es nicht nach den Maßgaben der Gerichte.

Die materialwissenschaftliche Analyse ist ein zentraler Punkt, um die fahrlässige Versteigerung von Fälschungen oder nicht fachgerecht restaurierten Kunstwerken zu verhindern. Im Rahmen eines laufenden Vertrages können wir zu Objekten eine materialwissenschaftliche Analyse und Provenienzrecherche durch uns und unsere Partner schnell und unkompliziert durchführen lassen. Weitere Infos hierzu finden Sie unter www.kunstpruefung.de

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